Workshop: Zivilgesellschaft und Staat – gemeinsam für Geflüchtete?

von Antonio García und Leon Huff

Wir haben im Rahmen des Seminars einen Workshop gestaltet, in dem wir uns mit verschiedenen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren und ihrem Rollenverständnis in der Arbeit mit Geflüchteten auseinandergesetzt haben. Dazu haben wir eine Diskussion zum Thema „Integrationskurse“ simuliert. Hier möchten wir vom Ablauf und den Ergebnissen dieser Sitzung berichten.

1. Einführung
Zu Beginn der Sitzung haben wir kurz das Thema des Tages sowie die Leitfragen und den Ablauf der Stunde vorgestellt. Es sollte darum gehen, die Positionen und Interessen verschiedener Akteure in der Arbeit mit Geflüchteten zu verstehen und multiperspektiv zu beleuchten. Im Zentrum stand dabei die Frage: Was muss geschehen, damit Staat und Zivilgesellschaft besser zusammenarbeiten?

2. Vorbereitung der Diskussion
Im nächsten Schritt haben wir nun die Teilnehmerinnen in vier Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe bekam die „Rolle“ eines Akteurs zugeordnet, die in der anschließenden Diskussion vertreten werden sollte. Als Rollen gab es dabei jeweils eine Vertreterin des BAMF, des Innenministeriums, der Diakonie und der (von uns erfundenen) Initiative „Hand in Hand in Hamburg“ (HiHiH). Wir haben nun den Gruppen ca. eine halbe Stunde Zeit gegeben, sich auf folgende Diskussions-Simulation vorzubereiten: Die Initiative HiHiH möchte, dass ihr von Freiwilligen organisiertes Sprach- und Kennlernprogramm für Geflüchtete als Integrationskurs anerkannt wird. Dazu haben wir neben einer „Rollenkarte“, die grob die zu vertretende Position beschrieb, einige Hintergrundinformationen zur aktuellen Integrationsdebatte eingereicht (s. Anhang).

3. Diskussion
In der nächsten Phase der Sitzung haben sich Diskussionsrunden mit je einem Mitglied jeder „Akteursgruppe“ zusammengefunden. Anschließend gab es erneut 20-30 Minuten Zeit, mit den soeben vorbereiteten Argumenten über den Antrag der HiHiH zu diskutieren. Unser Ziel war es, dass dabei sowohl die Konfliktlinien als auch die Schnittmengen zwischen den verschiedenen Akteuren deutlich werden. Wo widersprechen sich staatliche und zivilgesellschaftliche Interessen, Ziele und Vorgehensweisen? Wo reiben sich institutionalisiertes Ehrenamt und Freiwilligenarbeit mit lockeren Strukturen aneinander? Wo gibt es Gemeinsamkeiten, auf die man aufbauen kann?

4. Reflexion im Plenum
Im Anschluss an die Diskussion haben wir im Plenum Eindrücke gesammelt, Probleme analysiert und über mögliche Lösungsansätze gesprochen. Entscheidend für die Diskussion waren für alle Gruppen die Machtasymmetrien zwischen Staat und zivilgesellschaftlichen Akteuren gewesen. Die Vertreterinnen der Freiwilligen-Initiative hatten sich benachteiligt und in die Defensive gedrängt gefühlt. Vor allem der Politik wurde ein „latentes Ausruhen auf ihrer Machtposition“ vorgeworfen – man würde zwar einerseits das Engagement von Freiwilligen loben, ihnen aber gleichzeitig mit hohen bürokratischen Hindernissen das Leben schwer machen. Als Kernziel auf dem Weg zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen Staat und Zivilgesellschaft wurde im Plenum formuliert: Man müsse in der Lage sein, „Unmut in Forderungen zu verwandeln“. Hierzu sei es wichtig, dass Freiwillige und Ehrenamtliche Koalitionen bildeten und Offenheit für andere Strukturen und Positionen zeigten. Gleichzeitig müsse Verständnis für das Bedürfnis des Staates nach kontrollierten Abläufen gezeigt und die „Logik“ dahinter verstanden werden. Nur so könne erfolgreich für einen flexibleren Staat gestritten werden, der zivilgesellschaftliche Organisationen sinnvoller – und wo immer möglich auf Augenhöhe – in die Arbeit mit Geflüchteten einbindet.

Anhänge:
Handout 1
Handout 2
Rollenkarten
bundesamt-in-zahlen-2015-asyl