Internationales KW 16

Vorwürfe von Flüchtlingen und Hilfsorganisationen: Nur 100ml Milch am Tag für Babys in Lagern auf griechischer Insel

Bis zu 500 Migranten mutmaßlich auf ihrem Weg nach Italien ertrunken

Ceuta: Erster Flüchtlings-Massenansturm des Jahres


Vorwürfe von Flüchtlingen und Hilfsorganisationen: Nur 100ml Milch am Tag für Babys in Lagern auf griechischer Insel

Babys von Flüchtlingen auf der griechischen Insel Chios erhalten nach Angaben von Flüchtlingshelfern lediglich rund 100ml Milch am Tag. Dies sei eine Folge des Flüchtlingsabkommens zwischen der EU und der Türkei vom 20. März, infolge dessen rund 6000 Menschen auf den griechischen Inseln festgehalten werden. Im Lager Vial auf der Insel Chios leben seither rund 1100 Personen, ca. 40% von ihnen Kinder. Der Norwegische Flüchtlingsrat, der eine Einrichtung vor Ort unterhält, bestätigt die Knappheit an Babymilch und weist auf einen generellen Mangel der Grundversorgung von Kindern, insbesondere hinsichtlich der Hygiene, in den Flüchtlingslagern der Insel hin. Teils seien Mütter aufgrund der Stresssituation nicht länger in der Lage, ihre Kinder zu stillen. Laut einer Sprecherin der britischen Hebammen-Organisation Royal College of Midwives ist die Vergabe von Babymilch als Ultima Ratio nur zu ergreifen, nachdem das Stillen durch die Mutter unmöglich ist. In einem solchen Fall seien jedoch mehrere Rationen Milch und weitaus mehr als 100ml pro Tag vonnöten. Das von den Flüchtlingen und Hilfsorganisationen beschriebene Vorgehen verstieße gegen internationale Richtlinien. Ein vom Guardian mit den Vorwürfen konfrontierter Beamter des Polizeihauptquartiers der Insel konnte den Angaben der Hilfsorganisationen nicht widersprechen und sagte zu, den Polizeichef über das Vorgehen zu informieren. Die mangelnde Versorgung der Kinder stellt lediglich eine weitere Kontroverse um die Lager auf der Insel dar, deren Nutzung als geschlossenes Internierungslager laut Lokalpolitikern der Insel gegen die Vorgaben der Zentralregierung verstoße und somit illegal sei.

Quelle: http://www.theguardian.com/world/2016/apr/19/refugee-babies-milk-supplies-greek-detention-centre-chios


Bis zu 500 Migranten mutmaßlich auf ihrem Weg nach Italien ertrunken

Zwischen Libyen und Italien sind vergangene Woche bis zu 500 Migranten bei einem Schiffbruch ums Leben gekommen. Damit handelt es sich bei dem Unglück um die schlimmste Tragödie Flüchtlinge und Migranten betreffend des vergangenen Jahres.
Nur 41 Menschen überlebten, darunter 37 Männer, 3 Frauen und ein dreijähriges Kind. Diese wurden, nachdem sie ca. drei Tage lang ohne Nahrung und Trinkwasser auf hoher See umhergetrieben waren, am Samstag von einem Handelsschiff gerettet, das sie nach Kalamata auf der Halbinsel Peloponnes in Griechenland brachte. Einem Team des UN-Flüchtlingshilfswerkes UNHCR gegenüber gaben die Überlebenden an, Teil einer 100 bis 200-köpfigen Gruppe gewesen zu sein, die letzte Woche auf einem 30 Meter langen Boot in der Nähe von Tobruk in Libyen aufgebrochen war. Ihnen zufolge sei das Ziel Italien, nicht Griechenland gewesen.

Ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Athen sagte, es würden noch weitere Nachforschungen von Behördenseite abgewartet, die hoffentlich neue Erkenntnisse über den Verlauf der Tragödie und Hinweise zur Verfolgung etwaiger Schleuser liefern würde.

Dieses Jahr sind nach Zahlen der IOM bereits fast 800 Tote auf der zentralen Mittelmeerroute zwischen Nordafrika und Europa ums Leben gekommen. Auf der östlichen Mittelmeerroute zwischen Türkei und Griechenland gab es ca. 380 Tote. Demgegenüber wurden letztes Jahr allein im April mehr als 1730 Migranten tot geborgen oder vermisst.

Das Abkommen zwischen der EU und der Türkei sowie die Schließung der Balkanroute lassen eine steigende Anzahl der von Libyen oder Ägypten nach Europa strebenden Flüchtlinge erwarten. Im Zusammenhang mit dem herannahende Sommer und dem einhergehenden ruhigerem Seegang steht daher eine Verschärfung der Situation auf den Mittelmeerrouten zu befürchten.

Vor fast genau einem Jahr waren bereits 700 Migranten und Flüchtlinge nach einem Schiffbruch nördlich von Libyen verschwunden.

Die UNHCR forderte anlässlich dieser neuerlichen Katastrophe sicherere Flüchtlingsrouten nach Europa, bessere humanitäre Versorgung und Familienzusammenführungen sowie private Sponsorenprojekte und Studenten- und Arbeitsvisa für Flüchtlinge, um die Notwendigkeit solch gefährlicher Seereisen zu verringern.

Quelle: https://www.washingtonpost.com/world/europe/un-says-up-to-500-migrants-may-have-drowned-on-their-way-to-italy/2016/04/20/f222cd6a-06fb-11e6-bfed-ef65dff5970d_story.html


Ceuta: Erster Flüchtlings-Massenansturm des Jahres

Im ersten Massenansturm von Flüchtlingen im Jahr 2016 stürmten nach Informationen der staatlichen Nachrichtenagentur Efe rund 250 afrikanische Flüchtlinge am Samstagvormittag die spanische Exklave Ceuta. Bei guten Seebedingungen kamen sie über den Strand-Grenzübergang Benzú. 101 Männern gelang es so, spanisches Territorium zu erreichen. Sieben weitere hätten sich bei dem Versuch Verletzungen zugezogen und würden ärztlich behandelt. Ceuta, an der Meerenge von Gibraltar, ist neben Melilla, ca. 250km weiter im Osten, eine von zwei spanischen Exklaven in Nordafrika. Der letzte erfolgreiche Massenansturm liegt mehrere Monate zurück: Im Dezember 2015 waren zuletzt 185 Flüchtlinge in Ceuta auf spanisches Gebiet gelangt. Ein Versuch von ca. 250 Menschen im Januar scheiterte an der Präsenz der Sicherheitskräfte. Zusätzlich zu den vormals hauptsächlich afrikanischen Flüchtlingen versucht seit Anfang 2015 auch eine steigende Anzahl syrischer Flüchtlinge, über die spanischen Exklaven in die EU zu gelangen.

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/nordafrika-mehr-als-100-fluechtlinge-stuermen-spanische-exklave-ceuta-14196329.html#GEPC;s6