fördern&wohnen AöR, Erstaufnahmeeinrichtung Niendorfer Straße (27. Mai 2016)

Gesprächspartnerin: Petra Knust, Teamleitung Geschäftsbereich Erstaufnahme, f&w fördern und wohnen AöR

f&w Knust

… ein ganz gewöhnlicher Tag in der Erstaufnahme …

„Könnten Sie uns einen durchschnittlichen Arbeitstag hier in der Erstaufnahme schildern?“ – „Nein. Das kann ich nicht. Es gibt keine Routine hier.“ Diese Gesprächseröffnung sagt schon viel über das Aufgabenspektrum der Teamleiterin Petra Knust. Souverän und kompetent geht sie jeden Tag mit den Unmengen kleiner und großer Herausforderungen um. Sie ist Mangerin und Kümmererin – oder anders: Mädchen für alles. Angefangen bei der wichtigen Behördenkommunikation, über  Zahn- oder Bauchschmerzen von Bewohner/innen, Unstimmigkeiten bei der Essensausgabe bis hin zur Kooperation mit spendefreudigen Nachbar/innen.

… das hauptamtliche Team …

Zum hauptamtlichen Team gehören neben der Leiterin noch fünf Mitarbeiter/innen im Sozialmanagement, fünf im Unterkunftsmanagement und drei Mitarbeiter/innen im technischen Dienst.

… und die Einbindung von Freiwilligen in der Erstaufnahme …

Petra Knust ist Expertin im Feld „Bürgerschaftliches Engagement“ und „Freiwilligenkoordination“. Sie hat nicht nur langjährige Berufserfahrung, sondern dazu selbst, zusammen mit Nicole D. Schmidt, ein Buch veröffentlicht: mittenmang dabei!: Bürgerschaftliches Engagement als Chance (Arbeitshilfen für Selbsthilfe- und Bürgerinitiativen). Stiftung Mitarbeit, 2013. Auch deshalb ist sie eine Idealbesetzung für die Teamleitung der Erstaufnahmeeinrichtung in der Niendorfer Straße. Das spiegelt sich in einem wohlgeordneten Wochenplan, in dem farbig die vielen Gruppen und Schichten eingetragen sind.

… Angebote von freiwillig Engagierten …

„Was haben freiwillig Engagierte überhaupt in einer Erstaufnahmeeinrichtung zu suchen?“ – In der Niendorfer Straße gestalten sie ein umfangreiches Programm von Sprachtrainings, Kinderbetreuung, Frauencafé und Handarbeitstreff. Es gibt verschiedene Sportangebote, darunter Boxen und Fußball, und durch eine Zusammenarbeit mit der Kleiderkammer können die Bewohner/innen gegen einen kleinen Betrag gebrauchte Fahrräder bekommen und in einer offenen Werkstatt selbst reparieren, wenn daran etwas kaputt ist. Kurzum: die Zusammenarbeit mit den Freiwilligen in der Erstaufnahme wird jedenfalls mit der Zeit routiniert(er).

… „Die wichtigste Regel ist Respekt!“ …

„Welche Angebote könnte man hier gut zusätzlich gebrauchen?“ – Vor allem der Handarbeitstreff kommt sehr gut an! Schön wären mehr Sportangebote – und mehr Unterstützung bei der Begleitung in Behörden usw. Für eine gute Zusammenarbeit ist aber wichtig, dass eine gewisse Laufzeit gesichert ist. Projekte, die spontan aus kurzfristigen Begeisterungsstürmen entstehen, helfen keinem weiter. Und! Petra Knust unterstreicht, was immer und überall in der Arbeit mit Menschen gilt, ob geflüchtet oder nicht: „Die wichtigste Regel ist Respekt!“

… ein kleiner Rundgang …

Petra Knust lädt uns zu einem kleinen Rundgang über das Gelände ein. Als wir das Büro verlassen, begrüßt uns ein kleiner Schwarm lachender Energiebündel und begleitet uns an der Kantine, dem Arztzimmer, den Containern mit den Viererzimmern vorbei über den Sportplatz bis zu den Gesellschaftsräumen. Was auffällt: das Camp ist nicht barrierefrei – wie überhaupt die Mehrheit der Unterbringungseinrichtungen in Hamburg. Nur eine einzige ist immerhin barrierearm.

… Danke! …

Wir danken für einen umfassenden interessanten Einblick und den sehr sympathischen und warmherzigen Empfang!

 

Hintergrund zu fördern und wohnen in Hamburg

1. Das Unternehmen f & w

f & w fördern und wohnen ist in der Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) ein Unternehmen der Freien und Hansestadt Hamburg, das einem Aufsichtsrat gegenüber verantwortlich ist. f & w fördern und wohnen AöR beschäftigt  rund 1.600 Mitarbeiter und erzielt 2015 voraussichtlich einen Umsatz von ca. 300 Millionen Euro.

Hier geht’s zum Organigramm des Unternehmens.

2. Erstaufnahme von Asylbewerber/innen

„In der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in der Harburger Poststraße werden rund um die Uhr Flüchtlinge aufgenommen, untergebracht und verpflegt, die neu nach Hamburg gekommen sind.

Auftraggeber für den Betrieb der Einrichtungen ist die Behörde für Inneres und Sport, die in der Harburger Poststraße eine Außenstelle vorhält. Die Behörde klärt zunächst, ob die Flüchtlinge in Hamburg verbleiben können oder im Rahmen eines bundesweiten Verteilerschlüssels einem anderen Bundesland zugewiesen werden.

Bleiben die Flüchtlinge in Hamburg, wohnen sie bis zu drei Monate in der zentralen Anlaufstelle in der Harburger Poststraße oder in einer der 15 weiteren Erstaufnahmeeinrichtungen.

In der Zwischenzeit entscheidet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge über den Asylantrag. Spätestens nach Ablauf von drei Monaten ziehen die Flüchtlinge, deren Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, in der Regel in eine unserer Wohnunterkünfte.

In Hamburg betreibt fördern und wohnen die Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung sowie 15 weitere Standorte der Erstaufnahme.“ Diese finden sich hier.

 

 

 

 

Besondere Eindrücke konnte eine kleine Gruppe Studierender beim Besuch – und viele interessante Hintergründe … Informationen …