fördern und wohnen AöR, Erstaufnahme für Asylsuchende Holstenhofweg (28. April 2016)

Gesprächspartnerin: Melike Köylüce, Teamleitung

fluechtlingsunterkunft-hamburg

Wir waren mit einer kleinen Gruppe in der Erstaufnahme für Asylsuchende im Holstenhofweg. Bevor wir auf das Gelände gingen, fühlten wir uns ein wenig unwohl bei dem Gedanken, in den Wohnraum von uns Unbekannten einzudringen und ihn quasi „besichtigen“ zu wollen. Da uns aber keine bewohnten Zimmer gezeigt wurden und wir generell eher wenige Bewohner antrafen, war es möglich, erste Eindrücke zu bekommen, ohne das Gefühl zu haben, die Privatsphäre der Bewohner zu verletzen.

Zuerst sind wir zu Frau Köylüce ins Büro eingeladen worden und konnten allgemeine Fragen zur Unterkunft stellen. Frau Köylüce gab uns folgende Informationen über die Unterkunft:

Die Unterkunft besteht seit November 2014. Es gibt fünf Sozialarbeiter, sowie fünf Unterkunftsmanager und 3 Mitarbeiter im Technischen Dienst. Die 312 Asylbewerber wohnen in Wohncontainern mit jeweils 4 Personen und 2 Hochbetten pro Zimmer. Die Herkunftländer der Bewohner sind Syrien, Irak, Afghanistan, Iran, Türkei, Algerien und Eritrea. Offiziell leben die Bewohner 6 Monate in der Erstaufnahme, alleinstehende Männer können unter Umständen auch 8 bis 10 Monate in der Erstaufnahme wohnen, unabhängig vom Status. Bei der Zuordnung in die Folgeunterkünfte wird nach dem Kriterium: „wer ist bereits anerkannt und bezieht Leistungen nach dem SGB II und wer ist am längsten hier“ verfahren. Außerdem spielt aber auch immer eine Rolle, für welche Nationalität freie Plätze entstanden sind (aufgrund der Zimmerbelegung zu beachten). Daher kann es auch vorkommen, dass neben den bspw. anerkannten syrischen Asylbewerbern auch noch nicht anerkannte Afghanische Asylbewerber in die Folgeunterkunft verlegt werden.

In den Containern sind keine elektronischen Geräte wie Herd oder Kaffeemaschinen erlaubt, Wasserkocher aber schon. Einmal monatlich werden die Zimmer daraufhin kontrolliert.

Insgesamt gibt es in Hamburg 17 Erstaufnahmeeinrichtungen, die von f&w betrieben werden. Personell sind die Unterkünfte alle relativ gut aufgestellt. Der Personalschlüssel beträgt 1 Sozialarbeiter pro 65 Bewohner, sowie 1 Technischer Dienst pro 80 Bewohner.

Da in Deutschland alle Kinder schulpflichtig sind, werden die Kinder in der Unterkunft zunächst eingestuft und dann vor Ort geschult, bis sie in eine Folgeunterkunft umziehen. Die zuständigen Lehrer kommen dafür von der benachbarten Schule. Insgesamt werden die Kinder von 2 LehrerInnen unterrichtet.

Die Bewohner haben ein vielfältiges Angebot an Freizeitbeschäftigungen. Unter anderem wird von der gegenüberliegenden Universität der Bundeswehr Schwimmunterricht und Jogging angeboten. Am Gymnasium gibt es ausserdem Musikunterricht und jeden Donnerstag kommt ein HVV-Bus, der als Musikstudio ausgebaut ist. Ausserdem gibt es Basteln, Fussballtraining etc. Viele Ehrenamtliche unterstützen die Unterkunft.

Donnerstags gibt es ein Angebot zur Trauma Therapie, ausserdem eine Maltherapie für Kinder und zweimal die Woche kommt eine Allgemeinärztin, sowie einmal die Woche die Kinderärztin.

Die Erstaufnahme ist ein religionsfreier Raum, sodass es keine öffentlichen Glaubenspraktiken gibt. Religion ist Privatsache und soll daher nur in den eigenen Räumen praktiziert werden.

Es gibt drei Mahlzeiten am Tag. Der Speisesall hat normalerweise bis 19 Uhr (Ende Abendbrot) geöffnet und auch immer nur zu den Essenzeiten. Zu Ramadan öffnet die Küche zum Fastenbrechen erneut und bleibt dann bis 23 Uhr offen. Das Essen wird von einem Catering Service geliefert und ausgegeben. Grundsätzlich gibt es kein Schweinefleisch, bei Allergien oder Intoleranzen gibt es ausserdem Extra-Essen.

Wenn Bewohner länger als zwei Tage abwesend sind, werden die Räume wieder frei gemeldet. Fremdschläfer sind nicht erlaubt. Sonstiger Besuch muss am Eingang zum Gelände vom jeweiligen Bewohner abgeholt werden.

Nach unserem informativen Gespräch wurden wir noch auf dem Gelände herum geführt und konnten uns ein Bild von der Kleiderkammer, dem Quarantäne-Zimmer, dem Speisesaal, der Schule, dem Kindergarten und weiteren Aufenthaltsräumen machen.

Insgesamt war die Führung sehr aufschlussreich. Frau Köylüce war sehr zuvorkommend und hat alle unsere Fragen ausführlich beantworten können.