Die Rolle von Social Media in der freiwilligen Flüchtlingsarbeit

Referentin: Anna Heudorfer, M.A.

Lektüre-Empfehlungen zum Thema:

Ein kurzer Bericht aus der Lehrveranstaltung

I. Online Crowds: Soziale Medien zwischen kollektiver Intelligenz und Mobilisierung zum Protest (theoretischer Input)

Anhand von zwei kurzen Videos wurden zentrale Thesen über die Nutzung sozialer Medien herausgearbeitet.

Video 1 (2005):
James Surowiecki: The power and the danger of online crowds

  • Partizipative Berichterstattung: Laienjournalisten können ein umfassendes Bild eines Ereignisses liefern
  • Motivation: Menschen arbeiten freiwillig und ohne finanzielle Anerkennung zusammen
  • Kollektive Intelligenz: Gruppen können bessere Entscheidungen treffen als Einzelpersonen
  • Netzwerk-Paradox: Meinungen werden in einem eng gestrickten Netzwerk immer homogener

Video 2 (2014):
Zeynep Tufekci: Online social change: easy to organize, hard to win

  • Partizipativer Aktivismus: Soziale Medien vereinfachen Aufklärung, Organisation und Mobilisierung
  • Motivation: Menschen gehen hohe Risiken ein, um ihre gesellschaftlichen Ziele zu erreichen
  • Kollektive Entscheidungen: Soziale Medien steigern nicht die Erfolge sozialer Bewegungen
  • Offline-Netzwerke: Nur Aushandlungsprozesse führen zu wirkungsvollem Aktivismus

Auf Basis der Netzwerktheorie von Mark Granovetter (The strength of weak ties, 1973 – hier online verfügbar, Zugang im UHH-Netz) wurden die grundlegenden Mechanismen der Verbindung zwischen verschiedenen Netzwerk(eben)en veranschaulicht und auf den Kontext der freiwilligen Flüchtlingsarbeit angewandt.

II. Netzwerk-Paradox und die Wirkung von Netzaktivismus (Gruppendiskussion)

In der Gruppe wurde anschließend über die Nutzung sozialer Medien und die Rolle kollektiver Intelligenz diskutiert und das Netzwerk-Paradox sowie die Authentizität und Wirkung von Aktivismus im Netz problematisiert.

Mitschrift der Diskussion:

III. Exkurs: Die Rolle von Social Media in Ruanda

Kurzvortrag von Jean Ngendahimana, Journalist aus Ruanda (und Kollege von Anna Heudorfer in dem Blog-Projekt myvoice-project). Die Präsentation können Sie sich hier ansehen: „Social Media Impact on Activism and Journalism in Rwanda_Jean Ngendahimana“

IV. Soziale Medien in der freiwilligen Arbeit für/mit Geflüchtete/n (Recherche)

Im Anschluss wurden Beispiele für die Nutzung sozialer Medien im Zusammenhang mit freiwilliger Flüchtlingsarbeit recherchiert und bezüglich ihrer grundlegenden Funktionen untersucht:

  1. Aufklärungsfunktion
  2. Organisationsfunktion
  3. Mobilisierungsfunktion
  4. Vernetzungsfunktion

1.) Facebook-Gruppe „Flüchtlinge mit Behinderung in Hamburg

> Aufklärung/Information
> Vernetzung

2.) App „Hello“

von Studierenden mit gestaltete Handy-App, in der Hamburger Institutionen Informationen für Einwanderer/innen in mehreren Sprachen – als schriftliches und als Audioangebot – bereitstellen

> Aufklärung/Information

3.) Projekt „OpenEyesOpenHearts“

Mitglieder „halten Vorträge in Schulen, Institutionen und vor Gruppen – jeder, der wahre Geschichten und echte Menschen hinter dem Wort „Flüchtling“ kennenlernen möchte, kann […] einen Vortrag anfragen. [Sie] diskutieren mit und mischen [sich] ein: Bei politischen Debatten und wo auch immer [sie] glauben, die Welt ein bißchen verändern zu können.“ (Quelle)

> Aufklärung/Information
> Mobilisierung

4.) Facebook-Gruppe „Helfergruppe Hamburg Hauptbahnhof“

> Organisation
> Mobilisierung

5.) Facebook-Gruppe „Kleiderkammer Messerhallen

> Organisation
> Mobilisierung

6.) twitter-Hashtag #refugeeswelcome zur Veranstaltung von Demonstrationen

> Mobilisierung

7.) Plattform www.Chance-for-Science.de

Netzwerkplattform für geflüchtete Wissenschaftler/innen in Deutschland

> Organisation
> Vernetzung

8.) Plattform www.workeer.de

erste Ausbildungs- und Arbeitsplatzbörse Deutschlands, die sich speziell an Geflüchtete richtet

> Organisation
> Aufklärung/Information

9.) Portal der Initiative „Flüchtlinge Willkommen“

bringt „Wohnraumgebende und geflüchtete Menschen zusammen, um ein privates Zusammenleben zu initiieren.“

> Organisation
> Vernetzung

Auf dem Blog von „Flüchtlinge Willkommen“ finden sich jeweils aktuelle Nachrichten und ein Pressespiegel.

> Aufklärung/Information

10.) Plattform „Welcome Dinner Hamburg

Vermittlung von „Willkommensdinnern“ von Deutschen für Geflüchtete

> Organisation
> Vernetzung

11.) ZUKAR der erste Flüchtlings Youtuber

> Aufklärung

12.) Youtube-Kanal German Lifestyle GLS

Wie ticken Syrer, wie Deutsche? Drei junge Syrer, die selbst als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, wollen Vorurteile abbauen – mit YouTube-Videos. Auf ihrem Kanal German Lifestyle GLS greifen sie kulturelle Unterschiede humorvoll auf.

> Aufklärung