Deutsch als Fremdsprache für Geflüchtete – Sprache als Schlüssel zur Integration

– Ein Beitrag von Natali Antidze –

Im vergangenen Jahr 2015 sind 1,1 Millionen Geflüchtete nach Deutschland gekommen. Aber die Zahl der tatsächlich gestellten Asylanträge lag mit 477.000 deutlich darunter. (Dies liegt u.a. daran, dass die Antragstellung oft sehr lange dauert.)

Sprache ist ein Schlüssel zum Verständnis einer Kultur
und für einen erfolgreichen
Integrationsprozess unverzichtbar.

Man hört diesen Satz täglich im Fernsehen, im Radio oder liest ihn in der Zeitung. Er ist häufig auf Flüchtlingsthemen bezogen. Im Zusammenhang mit der „Flüchtlingskrise“ sind in Deutschland folgende Akteure engagiert: Die Regierung, diejenigen, die sich freiwillig und/oder ehrenamtlich für Geflüchtete engagieren, diejenigen, die Flüchtlinge ablehnen, und solche, die sich nicht zu der Debatte positionieren. Auf die letzten beiden Gruppen, die sich nicht für Geflüchtete einsetzen, möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen und werde mich mit den ersten beiden beschäftigen.

Die Sprache ist ein wichtiger Schlüssel zu einem perspektivistisch besseren Leben, so wird sie auch von den Geflüchteten wahrgenommen. Die Integrationspolitik in Deutschland lässt sich zugleich so beschreiben: „Keine Aufenthaltserlaubnis ohne Sprach- und Integrationskurs.“1 Zweifellos sollten Geflüchtete so schnell wie möglich Deutsch lernen, und es mangelt nicht an Lernbereitschaft. Durchaus aber mangelt es an Sprachangeboten!

Der Schlüssel für Bildung, Arbeit und gesellschaftliche Integration ist das Erwerben der Landessprache. “Laut “Integrationsreport“ Teil 2 der Forschungsgruppe des Bundesamtes sind die Kenntnisse in der Sprache des Aufnahmelandes unerlässlich für die Integration von Zuwanderern. Der Bund bietet für Erwachsene Integrationskurse einschließlich Deutschunterricht an.

Laut Einwanderungsgesetz von 2005 dürfen Asylbewerber die Integrationskurse nach Abschluss ihres Verfahrens besuchen; es dauert allerdings Monate, manchmal sogar Jahre, bis das Verfahren abgeschlossen ist. Die Geflüchteten müssen für die Aufnahme in den Kurs eine Aufenthaltserlaubnis, eine Duldung oder eine Aufenthaltsgestattung vorweisen. Das heißt, bei ihrer Ankunft haben Geflüchtete keinen Anspruch auf Integrationskurse.2

Unlängst wurde allerdings das Gesetz etwas geändert, sodass Geflüchtete aus bestimmten Ländern (Syrien, Eritrea, Iran und Irak) nach ihrer Ankunft an einem Integrationskurs teilnehmen dürfen. Einerseits ist das eine gute Nachricht, anderseits hat sie auch einen Haken – denn nur diejenigen bekommen eine Zulassung zum Integrationskurs, die sich nicht vorher in einem anderen EU-Land als Geflüchtete  gemeldet haben.3  Natürlich braucht diese Überprüfung Zeit, daher sind viele Geflüchtete beim Spracherwerb auf Eigeninitiative und Improvisation angewiesen. In vielen Fällen übernehmen Freiwillige und Ehrenamtliche den Deutschunterricht.

Was bietet der Integrationskurs des BAMF?

Laut der Internet-Seite von BAMF besteht jeder Integrationskurs aus einem Sprachkurs und einem  Orientierungskurs. Der allgemeine Integrationskurs umfasst 660 Stunden, je nach Ausrichtung des  Kurses kann die Gesamtdauer auch bis zu 960 Stunden betragen. Der Sprachkurs ist Teil des Integrationskurses. Er dauert insgesamt 600 Stunden, in den Spezialkursen bis 900 Stunden. Im Sprachunterricht werden wichtige Themen aus dem Alltag behandelt, wie z.B.:

  • Arbeit und Beruf
  • Aus- und Weiterbildung
  • Einkaufen/Konsum
  • Wohnen
  • Medien und Mediennutzung
  • Gesundheit und Hygiene / menschlicher Körper
  • Betreuung und Erziehung von Kindern

Außerdem wird gelernt, wie man Briefe und E-Mails auf Deutsch schreibt, Formulare ausfüllt, telefoniert oder sich auf eine Arbeitsstelle bewirbt. Im Verlauf des Sprachkurses gibt es einen Zwischentest, das ist eine Vorbereitung für die Abschlussprüfung, die am Ende des Integrationskurses stattfindet. Im Anschluss an den Sprachkurs hat man die Möglichkeit, den Orientierungskurs zu besuchen, der 60 Stunden dauert. Im Unterricht wird über die folgenden Themen gesprochen:

  • deutsche Rechtsordnung, Geschichte und Kultur
  • Werte, die in Deutschland wichtig sind
  • Rechte und Pflichte in Deutschland
  • Formen des Zusammenlebens in der Gesellschaft

Den Orientierungskurs schließt man mit dem Abschlusstest ab. Es gibt Vollzeit- und Teilzeitkurse, beispielsweise wenn man berufstätig ist. Vor Beginn des Kurses ist es erforderlich, einen Einstufungstest zu schreiben. Durch das Ergebnis wird entschieden, mit welchem Kursabschnitt man beginnen sollte.4

BAMF- Integrationskurse für Asylbewerber:

Asylbewerber und andere Personengruppen mit jeweils guter Bleibeperspektive können gem. § 44 Abs. 4 S. 2 Nr. 1-3 AufenthG im Rahmen verfügbarer Kursplatze zum Integrationskurs zugelassen werden. Hiernach können •Ausländer, die eine Aufenthaltsgestattung gem. § 55 Abs. 1 AsylG besitzen und bei denen ein rechtmäßiger und dauerhafter Aufenthalt zu erwarten ist,

Ausländer, die eine Duldung gem. § 60 a Abs. 2 S. 3 AufenthG besitzen und Ausländer, die eine Aufenthaltserlaubnis gem. § 25 Abs. 5 AufenthG besitzen einen Antrag auf Zulassung zum Integrationskurs bei der Zentrale des BAMF stellen. Füllen Sie dafür einen Antrag auf Zulassung zum Integrationskurs aus. Bitte lesen Sie auch das Merkblatt zum Zulassungsantrag, beides finden Sie in der rechten Spalte. Wenn Sie vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Ihre Zulassung zum Integrationskurs (Berechtigungsschein) erhalten haben, können Sie sich einen Integrationskursträger aussuchen. Einen Integrationskursträger in Ihrer Nahe finden Sie mit Hilfe der Suchmaschine WebGIS. Natürlich können Sie sich auch in der Ausländerbehörde oder einer Migrationsberatungsstelle eine Liste der Kursträger geben lassen. Sobald Sie einen Kursträger in Ihrer Nahe gefunden haben, melden Sie sich bitte dort zum Integrationskurs an und legen Sie Ihren Berechtigungsschein vor. Der Kursträger wird Ihnen helfen, einen passenden Kurs auszuwählen. Außerdem sagt er Ihnen, wann der nächste Kurs beginnt.5

(Diese Angaben stammen von der Internet-Seite des BAMF.)

In ganz Deutschland, fast in allen Städten und Gemeinden gibt es Integrationskurse für Geflüchtete. Hamburg kann als ein gutes Beispiel herangezogen werden. Die Zahlen zeigen, wie groß das Angebot von staatlicher Seite ist: “In Hamburg werden an 124 Kursorten Integrationskurse angeboten. Die Kurse werden von 37 Anbietern durchgeführt, die hierfür vom BAMF eine Zulassung erhalten haben.“6

Die Angebote des BAMF-Integrationskurses stellen eine sehr gute Möglichkeit für die Geflüchteten dar, um sich schnell integrieren zu können. Nachdem sie das Niveau B1 erreicht haben, haben sie die Chance eine Ausbildung anzufangen, zu studieren oder in Deutschland ins Berufsleben einzusteigen. Aber warum sind sie auf die Hilfe von Freiwilligen angewiesen? Woran scheitern denn die Integrationskurse? Welche Probleme bestehen?

“Frank-Jürgen Weise, der Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, schätzte, dass für dieses Jahr rund 200.000 Plätze bei den Integrations- und Sprachkursen für Flüchtlinge fehlen. Für Flüchtlinge, die bereits das Bleiberecht haben, sind ausreichend Integrations- und Sprachkurse vorhanden. Allerdings ergebe sich eine „Lücke“, wenn die noch nicht bearbeiteten Fälle und die zu erwartenden Neuankömmlinge berücksichtigt wurden.“7

Auf ins Feld! Hospitation in drei Hamburger Freiwilligenprojekten

Diese “Lücke“ füllen teilweise die Angebote von freiwillig Engagierten. In Hamburg engagieren sich unzählige Initiativen an vielen Stellen. Ich habe mir drei Orte ausgesucht:

  1. das Thalia Theater in der Gaußstraße mit der „Embassy of Hope“,
  2. die Zentralbibliothek Hamburg am Hühnerposten 1
  3. und die Universität Hamburg.

Dabei handelt es sich um Orte, die ich persönlich häufiger besuche. Ich studiere an der Uni Hamburg, ich leihe häufig in der Zentralbibliothek Bücher aus und gehe möglichst oft ins Thalia Theater.

Thalia Theater Gaußstraße – Embassy of Hope

Draußen im Hof rennen die Juniorschauspieler von einer Ecke zu anderen, sie haben es eilig, bald, in ein paar Stunden, fängt die Vorstellung an. Der Besucher geht weiter, öffnet die große Glas-Metall-Tür, drinnen herrscht eine ganz andere Atmosphäre, es stehen viele kleine Tischchen in der Halle. An jedem Tisch sitzen mehrere Leute, die reden, ein Heißgetränk trinken, Kekse essen, ja – sie amüsieren sich. Aber wenn man es ganz genau betrachtet, dann bemerkt man die Hefte, Bücher, Blätter und Stifte auf den Tischen. Beim Vorbeigehen kann man zuhören, ein Einzelner redet viel deutlicher als die anderen, oder versucht anderen etwas zu erklären. Auffällig ist der Raum, denn links von der Tür ist die Bühne. Lernen die alle zufällig einen Text für eine Vorstellung???

Tja, es hat etwas mit dem Theater zu tun, aber… es ist die „Embassy of Hope – Café International“ des Thalia Theaters in der Gaußstraße. Das Café wurde am 11. November 2015 gegründet. In diesem Jahr hat das Thalia Theater durch Spenden nach den Vorstellungen 130.000 Euro für Geflüchtete gesammelt. Viermal in der Woche kommen Geflüchtete in die „Embassy“; Tee, Kaffee, freies WLAN, Computerstationen stehen für sie zur Verfügung. Hier gibt es Rechtsberatung, Mal- und Fotoworkshops, Theaterworkshops, Konzerte und einen Filmclub. Außerdem haben die Geflüchteten die Möglichkeit, bei einer Gesprächsrunde die deutsche Sprache zu erlernen.

Und genau das findet jimg_20160520_163530etzt statt. Von Mittwoch bis Samstag ab 15:00 Uhr treffen sich Ehrenamtliche und Geflüchtete hier. Die Lerngruppen sind klein, zwischen 3 und 5 Personen. Die Geflüchteten kommen hauptsächlich aus Syrien, aus dem Iran und Irak.

Als Ehrenamtlichen begegnet man sowohl pensionierten Lehrern als auch Studenten, die sich engagieren und helfen wollen. Alle ehrenamtlichen Lehrer entscheiden selber, mit welchem Lehr- und Lernmaterial sie mit ihren “Schülern“ arbeiten wollen, abgesehen davon gibt es keinen allgemeinen/s Lernplan oder -programm. Die Geflüchteten lernen Buchstaben, einfache Wörter, Begrüßung und Abschied. Die/Der Lehrer/In erzählt alltägliche Sachen auf Deutsch, z.B.: eine Wegbeschreibung, oder „Was sagt man, wenn man beim Bäcker an der Theke steht?“. Und so weiter. Das Sprachniveau ist A1.1/A1.2. Während der Pause kann man sich ein Stück Kuchen oder einen Keks gönnen, oft sind sie selbst gebacken, von den Lehrern.

In demselben Gebäude, im 2. Stock, findet auch Deutschunterricht statt. Aber hier sieht es anders aus, so wie man es aus der Schule gewöhnt ist. Es ist ein klassischer Sprachunterricht, den das BAMF finanziert, aber er ist nicht offiziell anerkannt. Hierhin kommen diejenigen, die nicht zum Integrationskurs dürfen, bzw. img_20160520_163506die auf den langen Wartelisten stehen. Es sind die Geflüchteten, die im ersten Stock den Unterricht bei den freiwilligen Sprachtrainern besucht und Fortschritte gemacht haben und jetzt die Möglichkeit bekommen, an einem“richtigen Sprachkurs“ teilzunehmen.

Der Kurs findet dreimal in der Woche statt, von 14:30 bis 19:00 Uhr. Das Niveau ist A1 und A2, die Gruppe ist gemischt, aus finanziellen Gründen findet nur ein einziger Kurs statt. Die Geflüchteten sind zwischen 21 und 38, kommen aus dem Iran und Afghanistan (Afghanen haben fast keine img_20160520_163525Chance, einen Integrationskurs zu besuchen, normalerweise bekommen sie keinen Platz.).

Die erste Aussage von der Lehrerin ist: “Bitte nur auf Deutsch reden! Und Handys in die Tasche packen!!!“ Da das ein klassischer Sprachunterricht ist, haben alle das gleiche Buch: „Schritte Plus“.

Am Anfang des Kurses bezahlen die Teilnehmer 10 Euro Pfandgeld für das Buch und am Ende geben sie es unbeschädigt ab; dafür bekommen sie das Pfandgeld zurück. In der ersten Runde stellen sie sich vor, danach kommen die Hausaufgaben, dann sind die Teilnehmer von der Lehrerin mit neuem Material konfrontiert. Modalverben, deren Konjugation und Sätzebilden ist der Plan für den heutigen Unterricht. Nach der Pause kommen ein paar Hörübungen, erst Hörverstehen und danach zusammen korrigieren.

img_20160702_180112„Dialog in Deutsch“ in den Bücherhallen Hamburg. Zentralbibliothek am Hühnerposten

Man geht durch die Halle, zwischen den Bücherregalen, ganz am Ende des Raumes ist ein Zimmer. Durch die Glastür sieht man, dass drinnen 12 Menschen sitzen und sich unterhalten, alle kommen aus unterschiedlichen Ländern und sie haben einander hier kennengelernt.

Als neu Ankommender versucht man Deutsch zu lernen und auch viel auf Deutsch zu reden. Die Initiative der Bücherhallen “Dialog in Deutsch“ ist hilfreich für diejenigen, die die Sprache schnell lernen wollen und zu Hause keine Möglichkeit haben, auf Deutsch zu sprechen. Jeden Tag ab 11 Uhr außer Sonntags findet hier eine offene Gesprächsrunde statt. Es werden unterschiedliche Angebote gemacht, auch für Jugendliche und Frauen. Diesen Kurs leiten ein oder zwei Lehrer/innen.

Am Anfang der Sprechrunde bringen sie mit einem Rollwagen Wasser, Kaffee, Tee und Kekse in den Raum. Die Teilnehmer können für sich interessante Themen aussuchen und darüber reden. Heute haben sie die Entscheidung getroffen, über Umweltschutz zu reden. Jetzt muss einer den andimg_20160702_180131eren erklären, was das Wort „Umweltschutz“ bedeutet. Der/Die Lehrer/in schreibt die fremden Wörter an die Tafel. Hier gibt es keine Stufen, keine Tests, keine Pflicht. Deswegen sind die Sprachkenntnisse bei den Teilnehmern unterschiedlich.

Viele Geflüchtete und Migrant/innen kommen mehrmals in der Woche hierher, um bald besser auf Deutsch sprechen zu können. Eine Gruppenleiterin, Lehrerin im Ruhestand, erzählt: „Die Teilnehmer/innen hier sind wissbegieriger als alle Schüler, die ich jemals hatte.“ Auf der Web-Seite der Zentralbibliothek gibt es solche Berichte nicht nur von der/dem Gruppenleiter/in, sondern auch von den Teilnehmer/innen.

Freiwillige Sprachtrainer/innen an der Universität Hamburg

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Auch an der Universität Hamburg bekommen Geflüchtete ehrenamtlichen Deutschunterricht. Der Kurs findet im Gebäude der Psychologie statt. Studenten bringen kleinen Gruppen von Geflüchteten hier Deutsch bei.

Ich habe mich mit zwei Studentinnen getroffen, die seit Langem schon Deutschunterricht geben. Eine ist noch im Bachelor-, die andere schon im Masterstudium.

Die Teilnehmer sind ungefähr seit einem Jahr in Deutschland, und sie können mittlerweile schon gut Deutsch. Einer davon hat ein einem Integrationskurs teilgenommen, um sein Deutsch zu verbessern, besucht er nun diesen ehrenamtlichen Kurs. Manche haben von dem Kurs durch Freunde erfahren, manche von Bekannten, manche bei einer Beratung.

Die Gruppe besteht aus drei Männern, die aus dem Irak, Iran und Syrien kommen. Da die Zahl der Teilnehmer so niedrig ist, ist der Unterricht sehr interaktiv, es wird ein großer Wortschatz vermittelt. Der Unterricht läuft in zwei Sprachen, Deutsch und Englisch, unbekannte Wörter werden manchmal auf Englisch erklärt, so häufig wie es möglich aber auf Deutsch. Die freiwilligen Studentinnen und die Schüler begegnen einander sehr offen. Die Atmosphäre ist positiv und freundschaftlich.

Ein Teilnehmer kommt verspätet. Er schreibt, er sei auf dem Weg. Als er das Zimmer betritt, umgibt ihn süßlicher, ungewöhnlicher Geruch. Er nimmt seinen Platz mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein und fängt auf Deutsch an: “Ich habe heute für euch die traditionelle syrische Süßigkeiten vorbereitet. Sie schmeckt sehr gut, das ist die Rezept von meiner Mutter…“

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Professionelle BAMF-Integrationskurse vs. Sprachtraining von freiwillig Engagierten?

Was ist denn nun „besser“ – die professionellen Integrationskurse des BAMF oder der Unterricht der Freiwilligen? Wo lernen die Geflüchteteten schneller die deutsche Sprache und Kultur kennen?

Das ist eine schwierige Frage. Einerseits vermitteln die Freiwilligen nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur und die Sitten und Gewohnheiten der Deutschen – und das alles können die Geflüchteten nicht aus Büchern, sondern nur im Kontakt mit anderen Menschen lernen. Andererseits ist es schwer so eine schwierige Sprache wie das Deutsche ohne jegliches System zu erlernen.

Die freiwilligen Sprachtrainer haben manchmal nur wenig Erfahrung, wie guter Unterricht aussieht, welches Lehr- und Lernmaterial für Menschen aus so unterschiedlichen Ländern geeignet ist. Dreimal wöchentlich ein unprofessionelles Sprachtraining zu besuchen, bei dem zudem alle Teilnehmer auf unterschiedlichem Niveau sind, reicht nicht. Manchmal gibt es keine Bücher, nur lose kopierte Zettel.

Aber klar ist: ohne Ehrenamtliche ist die Sprachintegration nicht zu schaffen. Die Freiwilligen sind zur Stelle und springen ein, wo Bedarf ist. Das ist die Zuckerseite von Deutschland, während die Bürokratie für Geflüchtete nur Probleme bedeutet: Warten, Ungewissheit. Manchmal wird im Behördenalltag scheinbar vergessen, dass sie auch Menschen sind. Daneben stehen Freiwillige mit offenen Armen da. Und manchmal hilft es auch, wenn man nur das Händchen hält…

Die Arbeit der Freiwilligen kann aber die offiziellen Kurse nie ersetzen, denn die Geflüchteten brauchen für eine Aufenthaltsgenehmigung natürlich den Integrationskurs, der von BAMF anerkannt ist. Es wäre wünschenswert, dass das BAMF und die Freiwilligen stärker zusammenarbeiten. So hätten Geflüchtete mehr Möglichkeiten schnell Deutsch zu lernen und könnten Ressourcen gespart werden.

Quellen:

1 https://www.freitag.de/autoren/enibas/eintritt-fuer-gefluechtete-nur-mit-deutsch
2 vgl. http://www.bamf.de/DE/Willkommen/DeutschLernen/IntegrationskurseAsylbewerber/integrations
3 https://www.freitag.de/autoren/enibas/eintritt-fuer-gefluechtete-nur-mit-deutschkurseasylbewerber-node.html
4 http://www.bamf.de/DE/Willkommen/DeutschLernen/Integrationskurse/InhaltAblauf/inhaltablauf- node.html
5 http://www.bamf.de/DE/Willkommen/DeutschLernen/IntegrationskurseAsylbewerber/integrationskurseasylbewerbe r-node.html
6 http://www.hamburg.de/integrationskurse/
7 http://www.heute.de/frank-juergen-weise-200.000-plaetze-in-integrationskursen-fuer-fluechtlinge-in-deutschland-fehlen-43025522.html