Café Exil, unabhängige Anlaufstelle für Migrant/innen zur Beratung (11. Mai 2016)

Café Exil

Am 11. Mai haben acht Teilnehmer/innen unseres Seminars das Café Exil besucht, welches sich als ein kostenloser und offener Treffpunkt mit Beratungs- und Unterstützungsangebot für Geflüchtete versteht.

Das Café befindet sich hinter dem Münzviertel, zentral gelegen und direkt gegenüber der Ausländerbehörde. Dieser Standort spiegelt sich auch in der räumlichen Gestaltung, zum Beispiel anhand kritischer Bilder bezogen auf die Ausländerbehörde wieder.

Wir selbst haben uns dort wohl gefühlt zwischen Sofas und Sitzecken, aber auch politischen Statements an den Wänden, die zum Nachdenken angeregt haben.

Drei Ehrenamtliche haben uns dort begrüßt und uns an ihren Erfahrungen in der Arbeit im Café Exil teilhaben lassen.

Nun möchten wir erst einmal kurz einige Eckdaten des Café Exils vorstellen:

Das Café wurde 1995 als NGO unter dem Trägerverein VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Nazi Regimes) in Hamburg gegründet. Das Café Exil finanziert sich aus Spenden, die es größtenteils von Privatpersonen erhält, womit die Ehrenamtlichen gute Erfahrungen gemacht haben. Damit wird dem Café  Exil neben den Ausgaben des täglichen Bedarfs auch die Chance auf weitere Möglichkeiten gegeben. Zu den regelmäßigen Ausgaben gehört zum einen der Einkauf von Kaffee, Tee, Saft und Wasser, welcher/s immer kostenlos zur Verfügung stehen, jedoch teilweise von den Geflüchteten anhand von Spenden wertgeschätzt wird.  Zum anderen die Miete, die rapide ansteigt, weshalb sich das Café schon räumlich verkleinern musste, was vor allem im Winter auch zu Platzproblemen führt.

Ein zentraler Wert der Arbeit des Café Exils ist, dass es sich als nichtstaatlich verankert versteht und somit unabhängig und nach den Interessen der Gäste agieren möchte. Dies ermöglicht eine kritische Öffentlichkeitsarbeit, die nicht an politischen Statements spart. Beispielsweise anhand von Infoständen, Demonstrationen geben Abschiebungen und politischen Forderungen.

Im Folgenden gehen wir auf die Mitarbeiter ein, die sich hierarchiefrei und flexibel strukturieren. Zum Beispiel werden die Arbeitszeiten anhand von Doodle Listen geplant.

Jenes, sowie die Möglichkeit dort ein Pflichtpraktikum zu absolvieren spricht viele Studenten aus unterschiedlichsten Kontexten an, die den Großteil der Ehrenamtlichen darstellen.

Ein weiterer Teil der Mitarbeiter besteht auch aus Geflüchteten. Insgesamt gibt es 15-25 aktive Mitarbeiter, die meist nicht professionell ausgebildet sind, sondern sich anhand von Schulungen weiterbilden. Davon werden durchschnittlich vier bis fünf Leute pro Tag benötigt.

Die Ehrenamtlichen haben dazu angemerkt, dass sie dadurch auch teilweise vor Herausforderungen gestellt werden, da eine hohe Fluktuation an Mitarbeitern besteht und es oftmals auch an helfenden Händen mangelt. Insbesondere werden Dolmetscher dringend gebraucht.

Die Aufgabenbereiche teilen sich auf in Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und das zur Verfügung stellen eines Austausch Raums.

Die Beratungsarbeit besteht aus einer wöchentlichen Rechtsberatung, Begleitung zu Behörden-Gängen, dem Erklären und Ausfüllen von Formularen, Jobvermittlung oder auch Unterstützung bei der Wohnungssuche. Bei spezifischen Fragen greift das Café Exil auf ihr Netzwerk zurück und verweist die Gäste auf Experten.

Die Öffentlichkeit setzt sich aus den oben schon erwähnten Demonstrationen und politischen Statements zusammen. Hinzu kommen zusätzlich noch Workshops oder ähnliches.

Wie der Name schon sagt, ist es ein Hauptanliegen des Café Exils, den Geflüchteten einen Raum des Austauschs zu bieten, der wochentags (bis auf mittwochs) vormittags geöffnet ist.

Dazu gehört zum Beispiel auch ein Gäste-PC mit Internet-Zugang, an welchem recherchiert oder ein Lebenslauf geschrieben werden kann.

Das Café Exil wird von einer sehr heterogenen Gruppe aufgesucht. Die Besucherzahlen variieren stark, weshalb jeder Tag dort anders aussieht und neue Herausforderungen aber auch Chancen mit sich bringt.

Wir als Teilnehmer/innen sind sehr dankbar für diesen authentischen und spannenden Einblick in die Arbeit des Café Exils und empfehlen jedem Interessierten, dort vorbeizuschauen.