31. Januar 2017 – Fortsetzung

In den letzten beiden Blogeinträgen hat Mohammed sich und seine Geschichte vorgestellt. Der Weg nach Deutschland mag nicht einfach gewesen sein, aber er hat sich gelohnt. Seit etwa einem Monat lebt Mohammed nun mit seiner Familie nicht mehr im Erstaufnahmelager und hat eine eigene Wohnung.

Mohammeds Familie hat uns zum Essen eingeladen, um die irakische Küche kennenzulernen und die neue Wohnung zu besichtigen. Wir waren darüber natürlich sehr erfreut und haben die Einladung dankend angenommen.

Als wir uns zum vereinbarten Zeitpunkt trafen, roch es schon köstlich nach Reis und Curry. Wir boten Mohammed an in der Küche zu helfen, doch er und seine Eltern verneinten, da man sich als Gast einfach nur Zuhause fühlen und es sich gemütlich machen sollte.

Nachdem Mohammed uns also die Wohnung zeigte, setzten wir uns in sein Zimmer und nutzten die Zeit, um uns ein wenig mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden Iraks und Deutschlands auseinanderzusetzen – und da der Bauch vor lauter leckeren Düften schon knurrte, begannen wir natürlich mit Fragen über das Essen: Mohammed erzählte uns, dass es im Irak üblich ist 3 warme Mahlzeiten am Tag zu sich zu nehmen, da die meisten Gerichte auf Reis basieren und allgemein Kohlenhydrate einen Grundbaustein der Ernährung ausmachen. Auch Bulgur wird gerne gegessen, jedoch hat Reis im Irak einen höheren Stellenwert. Mohammed mag Bulgur, auch wenn es als Essen für die Armen bezeichnet wird. Allgemein meint er lachend, dass er eigentlich alles gerne isst, außer natürlich Schweinefleisch aus religiösen Gründen. Wir fragen ihn, ob wirklich so viel Fleisch konsumiert wird und ob die Bürger*innen dabei auf etwas achten, wie
beispielsweise die Herkunft oder eine besondere Qualität.

Er nickt und bestätigt uns, dass Fleisch neben Reis zu jeder Mahlzeit gegessen wird und zu den Grundnahrungsmitteln gehört. Interessant war aber, dass nur Fleisch gegessen wird, das halal zubereitet wurde. Dies bedeutet, dass das Leiden des Tieres vermieden werden soll und das Tier vollkommen ausbluten muss, bevor es weiterverarbeitet wird. Außerdem wird nicht aus Willkür getötet und jedes Teil des Tieres verwertet, um es in Ehren zu halten. Auch in Deutschland hinterfragt er weitestgehend die Herkunft seines Fleisches und isst gerne im Kebap-Imbiss seines Vertrauens oder kauft Fleisch beim Metzger.

Als wir ihn fragten, was ihm an deutschen Essen aufgefallen ist, begann er zu lachen und sagte, dass Deutsche eh kaum essen würden. Er erklärte uns wie verwundert er war als er das erste Mal mit Deutschen frühstückte und diese nach einem belegten Brötchen fertig waren und nur noch ihren Kaffee austranken. Das gäbe es bei ihm nicht, sagt er lachend.

Im Irak sei es üblich viel mehr zu essen, ein Brötchen würde ihm niemals reichen, um satt zu werden und ihm fehlt auch ab und zu das warme Essen oder eine Suppe zum Frühstück. Wir fragen, was es ansonsten noch an irakischem Essen gibt und was sein Vater eigentlich gerade für uns kocht. Typisch irakisch sei auch Dolma, das sind Weinblätter, die mit Reis gefüllt und in Öl eingelegt werden. Auch Fisch spielt eine große Rolle in der Ernährung und wird sehr gerne ölig und scharf zubereitet. Allgemein sagt Mohammed, dass gerne scharf gegessen wird. Sein Vater würde für uns allerdings auch mildere Speisen machen, damit wir nicht ohnmächtig werden. Er lachte.

Das Essen war schnell fertig, also gingen wir in die Küche und setzten uns auf die zwei Teppiche, die auf dem Boden lagen. Sein Vater stellte mehrere Schüsseln Reis in die Mitte, eine Pfanne mit Curryreis, Hähnchen und Erbsen und einen Topf mit gut duftendem, eingelegten Gemüse und scharfer Tomatensoße. Wir lachten als auf dem letzten Teller Pommes frittes lagen, bedankten uns für das Essen und begannen gemeinsam das Mahl zu genießen. Mohammeds Vater versuchte uns beizubringen mit Händen zu essen. Eine Handfläche voll Reis wird mit dem Daumen zurecht gedrückt, sodass der Reis verklebt und so in eine Soße gedippt oder direkt in den Mund genommen – einfacher gesagt, als getan. Gerne haben wir es ausprobiert, aber das Desaster war nach dem ersten Versuch schon absehbar, weshalb wir es bei Löffeln beließen.

Mohammed sagte uns andauernd, dass wir mehr essen sollten und wir fingen an zu lachen – wir waren es nicht gewöhnt in solchen Mengen zu essen, aber wir probierten jedes Gericht und waren fasziniert von den leckeren Speisen.

Es war ein schönes gemeinsames Essen und es gab viel zu reden und zu lachen, weshalb wir im nächsten Blogeintrag noch einmal auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Irak und Deutschland gehen werden. Dann wird es um das Wetter, Religion, Umgang bei Begrüßungen und Beziehungen gehen – ein zusammengefasster Einblick von Mohammed in zwei Kulturen.