1. März 2017: Begleitung Ausländerbehörde – Erfahrungsbericht von Anna

Ich habe jetzt schon mehrere Male Geflüchtete, die wir im Projekt „Welcome Lounge – Interkultureller Austausch“ betreuen, zur Ausländerbehörde begleitet. Hier müssen die Papiere beantragt und verlängert werden. In den meisten Fällen handelt es sich um die Verlängerung einer Duldung (Aussetzung der Abschiebung von ausreisepflichtigen Ausländern in Deutschland). Das Prozedere ist im Grunde immer dasselbe.

Ich habe mich mit den Geflüchteten morgens, meist so gegen zehn Uhr, vor der Behörde für Inneres und Sport, Zentrale Ausländerbehörde, in der Hammer Straße (Nähe S-Bahn Wandsbeker Chaussee) getroffen. Wenn man die Behörde betritt, muss man an einem Infoschalter kurz schildern, warum man dort ist und wird dann in einen großen Wartebereich geschickt. Bei meinem ersten Besuch war ich geschockt, wie viele Leute hier warten müssen. Man muss eine Nummer ziehen und oft sogar ein paar Stunden warten, bis man drankommt. Daher kommen die Geflüchteten, die unsere Initiative betreut, meist eine Stunde vor dem gemeinsam verabredeten Zeitpunkt, um schon mal eine Nummer zu ziehen.

Bei meinen Begleitungseinsätzen funktionierte jedoch das Computersystem für die Nummernvergabe nie! Somit standen alle Menschen am Schalter an, was schon sehr chaotisch war, da es – von außen betrachtet – keine klar erkennbaren Schlangen oder eine Wartereihenfolge gab. Dies versuchten die Behördenmitarbeiter/innen zu ändern, indem sie die Menschen auf Deutsch und in gebrochenem Englisch aufforderten, sich in eine Reihe zu stellen. Aufgrund der Sprachbarriere hat dies einige Zeit in Anspruch genommen, schlussendlich glückte auch diese Form der technologiefreien Gruppenkoordination.

Wenn man endlich an die Reihe kommt, sieht der/die Behördenmitarbeiter/in die Papiere der Geflüchteten durch, prüft diese kurz und schickt sie an einen weiteren Mitarbeiter im Stockwerk der zuständigen Abteilung. Deshalb ziehen wir dann ein Stockwerk höher in den nächsten Warteraum, wo es wieder das gleiche Prozedere mit den Nummern gibt. Die Original-Ausweisdokumente müssen dort abgegeben werden und der Name wird später aufgerufen. Nun muss wieder gewartet werden. In der Zeit werden die Papiere von den zuständigen Behördenmitarbeiter/innen geprüft und bearbeitet. Manchmal müssen die Geflüchteten noch in die Büros, um ihre Unterlagen abzuholen oder sie kriegen die neuen (verlängerten) Ausweispapiere direkt zurück, d.h. ohne Gespräch mit einem/r Behördenmitarbeiter/in.

In „meinen Fällen“ hatten wir immer Glück, da die Duldungen der Geflüchteten immer mindestens zwei Wochen und in einem Falle mehr als drei Monate verlängert wurden. Insgesamt haben die Behördengänge immer mindestens eine Stunde und einmal sogar dreieinhalb Stunden Zeit in Anspruch genommen.